„Wir sind alle Menschen, egal wie wir aussehen!“

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Alle Welt spricht seit einiger Zeit nun über Rassismus. Das Thema kam „plötzlich“ wieder durch die BLM (Black Lives Matter) – Bewegung in den USA auch in Deutschland auf den Tisch. Aber eigentlich war und ist Rassismus in Deutschland und auf der ganzen Welt schon sehr lange Zeit präsent, doch bis jetzt waren wir uns dieser Grausamkeit gar nicht so bewusst. Deshalb habe ich mich mit dem Thema vertraut gemacht, für euch ein paar Fakten zusammengefasst und alles mithilfe eines tollen Interviews mit Gold Ebhotemen, einer Schülerin hier am SGH, in einen Artikel umgewandelt. Ich bedanke mich jetzt schon ganz herzlich bei allen, die sich eine Viertelstunde Zeit nehmen, um diesen Artikel zu lesen und ich hoffe, dass ich euch ein wenig zum Nachdenken über euer Tun und Handeln anregen kann!

× ⚠️ Ein kleiner Hinweis für unsere jüngeren Leser: In diesem Artikel spreche ich sehr direkt ein paar möglicherweise beängstigende Themen an, daher empfehle ich euch, den Artikel gemeinsam mit euren Eltern zu lesen ⚠️

Zunächst erst einmal ein paar Infos zur Historie:

Alles begann etwa im 17. Jahrhundert, also vor ca. 400 Jahren. Damals begannen Menschengruppen, andere Gruppen in Rassen einzuteilen, um sich überlegener und mächtiger zu fühlen. Der Ursprung dafür liegt in Afrika, denn dort herrscht – zumindest aus Sicht der Europäer und Amerikaner – materielle sowie industrielle Armut. Es war also leicht für die Europäer, die armen und unwissenden Völker zu unterdrücken. Das führte dann im 19. Jahrhundert zu einer pseudowissenschaftlichen Rassenlehre, aus der im 20. Jahrhundert schreckliche Konsequenzen folgten. Die Unterdrückung Schwarzer (in diesem Zusammenhang nicht als Beleidigung, sondern lediglich als Beschreibung zu verstehen) hat also schon sehr früh angefangen, daher wurde diese den nächsten Generationen quasi in die Wiege gelegt und ist für sie selbstverständlich geworden.

Doch woher kommt das Wort „Rassismus“ und was bedeutet es eigentlich?

„Rassismus“ stammt von dem französischen Wort „raciste“ ab, welches die Nationalisten damals als Selbstbezeichnung nutzten. Der Begriff „Rassismus“ an sich entstand jedoch erst etwa gegen 1920 als antirassistischer Kampfbegriff. Erstere verstehen unter Rassismus die Überzeugung, dass klar abgegrenzte menschliche Rassen existieren, die angeblich die physischen, intellektuellen und charakterlichen Eigenschaften der Individuen bestimmen – und deren Vermischung unbedingt zu vermeiden sei. Das heißt in der Praxis: Viele sind der Überzeugung, dass bestimmte Menschengruppen minderbemittelt, also sowohl körperlich als auch geistig, sowie charakterlich unterlegen sind und man dadurch den Kontakt zu diesen unbedingt vermeiden sollte.

Ich wage mal einen formalen Definitionsversuch: „Rassismus beschreibt die Mechanismen der Ab- und Ausgrenzung der eigenen Gemeinschaft von den „Fremden“.“ Also: Menschen die nicht aussehen, wie man selbst, werden ausgegrenzt.

Wie ihr schon merkt, es ist also nicht ganz so einfach Rassismus zu definieren, dennoch haben wir alle ein Bild im Kopf, wenn wir an Rassismus denken oder das Wort hören. Es ist bei den meisten wahrscheinlich das Bild eines von weißen Menschen zusammengeschlagenen schwarzen Mannes, der blutend und hilflos auf dem Boden liegt, oder ein Schild, das Schwarze dazu auffordert, eine andere Toilette zu benutzen oder sich einen anderen Platz im Bus zu suchen – diese Bilder schleichen sich zumindest bei mir oft in die Gedanken. [Anm. d. Red.: schaut euch solche Bilder gerne im Internet an! – wir dürfen sie hier nur nicht verwenden]

Aber was genau hat uns dazu gebracht, Menschen rassistisch zu behandeln?

In erster Linie geht dies von unseren Vorfahren aus, wie oben schon erwähnt. Doch auch unser Umfeld ist ausschlaggebend, wie rassistisch wir uns verhalten. Geschichten, die wir erzählt bekommen, unser Umfeld, Freunde, Kollegen, Bekannte, Erlebnisse, all das kann dazu führen, dass wir uns anderen Menschen gegenüber rassistisch verhalten. Vor unseren Kumpels und Freunden wollen wir cool wirken, in einer Gruppe denken wir nicht großartig über unser Verhalten und dessen Folgen nach, wir lassen uns von der Gruppe leiten. Wir schließen uns lieber der Mehrheit an, als alleine dazustehen und den Unterdrückten zu helfen und beizustehen. Wir sehen uns selbst im Vordergrund, denken nicht nach, und schon ist es passiert. Zudem sind wir leichtgläubig, lassen uns eine Meinung von anderen oder dem System einreden und uns von diesen, sowie vielen anderen Faktoren, beeinflussen. Es mangelt uns an selbständigem Nachdenken, an Menschenverstand, wir ziehen voreilige Schlüsse und denken erst im Nachhinein darüber nach, wenn es schon längst zu spät ist.

Dazu kommt noch, dass viele Menschen keinen Zugang zu alltäglichen rassistischen Diskriminierungen haben und sich dadurch der Realität und Präsenz des Problems gar nicht bewusst sind, meint der Forscher Karim Fereidooni, Professor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Ruhr-Universität Bochum, bei einem Interview mit der ARD. Viele denken auch, dass Rassismus seit 1945 nicht mehr existiert, was schlichtweg falsch ist. Wir Menschen sind überrascht, dass es scheinbar plötzlich zu solchen Ausschreitungen kommt, denn für uns ist es keine Alltagsrealität. Viele haben keine Ahnung von dem, was da draußen in der Welt tagtäglich vor sich geht. Wir bekommen alles zum Großteil nur durch die sozialen Medien oder durch Nachrichten zu Gesicht und das ist ein großes Problem.

Laut Karim Fereidooni beginnt Rassismus sogar schon im Kindergartenalter. Lehrer sollen aber in Zukunft Fortbildungen besuchen, in denen sie lernen, ihr Unterrichtsmaterial rassismuskritisch zu beleuchten. Bei solchen Kursen soll das Gelernte verlernt werden, denn jeder Mensch hat zwar keine genetischen Veranlagungen für rassistisches Verhalten, dennoch ist niemand frei von einem solchen Verhalten; der Forscher spricht hier von „Rassismussensibilität“. Die Lehrer sollen bei fortbildenden Kursen ebenfalls lernen, Rassismus an Schulen nicht zu de-thematisieren, sondern der Wahrheit ins Auge zu blicken, denn Rassismus gibt es an ALLEN Schulen. Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, möchte sich unsere Schule gegen Rassismus und Ausgrenzung jeglicher Art mit dem Projekt „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ richten. Das funktioniert aber nur, wenn alle Schüler kräftig mithelfen!

„Weiß sein“ gilt übrigens schon seit etwa 400 Jahren als eine globale Norm! Dadurch ist Rassismus ein globales Thema und kommt in allen Gesellschaften vor. Daher kann es auch nur global effektiv bekämpft und gelöst werden. Alle Menschen müssen das Problem „Rassismus“ anerkennen, wie zum Beispiel den Klimawandel oder die Verschmutzung der Weltmeere, und sich daran beteiligen, es zu lösen. Und genau deshalb sollten wir dieses Problem den nachfolgenden Generationen so früh wie irgend möglich nahelegen, in der Hoffnung, dass sie früh einen positiven Verstand entwickeln und dadurch gemeinsam etwas bewegen.

Außerdem habe ich eine Schülerin, Gold Ebhotemen, aus der jetzigen 10. Klasse, einige Fragen zu ihren bisherigen rassistischen Erlebnissen und wie sie damit umgeht befragt. Gold ist 15 Jahre alt, kommt aus Nigeria, wohnt, seit sie 3 Jahre alt ist in Deutschland, spricht zuhause überwiegend Englisch und ist dunkelhäutig. Schon in ihrer Grundschulzeit und auch in den ersten Jahren der weiterführenden Schule wurde sie mehrfach rassistisch behandelt. Unter anderem wurde sie als „schwarze Samurai“ beleidigt, anstatt von „Nickerchen“ wurde absichtlich „Niggerchen“ gesagt. In der Grundschule wollten viele nicht mit ihr befreundet sein und bis heute wird sie auf der Straße noch angestarrt, auf ihre Herkunft und Hautfarbe angesprochen, beleidigt und anders behandelt. Sie hat sehr viel Glück gehabt und wurde nicht körperlich verletzt, wie es aktuell immer häufiger auf der ganzen Welt passiert. Das Verhalten der Anderen beeinflusste sie sogar so weit, dass sie unbedingt weiß sein wollte, sich selbst als hässlich empfunden hat und nicht in den Spiegel schauen konnte. Ihren Eltern hat sie von diesen schrecklichen Erlebnissen nichts erzählt, da sie diese damit nicht belasten wollte. Sie hat sehr oft geweint und dadurch haben ihre Eltern es schließlich doch mitbekommen und konnten ihr durch aufmunternde Worte helfen. Ihren Freunden hat sie übrigens auch nichts erzählt, allerdings hat sie einen Text in den sozialen Medien mit einer kleinen Stellungnahme veröffentlicht; auch darauf bekam sie zahlreiche positive Antworten.

Die Menschen, die sie damals so grausam behandelt haben, sieht sie zwar noch in der Schule, aber sie hat damit abgeschlossen und interessiert sich nicht mehr für sie. Mit ihrer Erzählung möchte sie alle Menschen da draußen erreichen, die selbiges oder ähnliches durchmachen oder gemacht haben. Sie will ihnen damit helfen, sich nicht von so furchtbaren Menschen beeinflussen zu lassen; sie möchte, dass sich alle so lieben, wie sie sind. Außerdem möchte sie mit ihrer Geschichte zeigen, dass Rassismus tatsächlich existiert und keine Illusion ist, Dir und allen anderen die Grausamkeit mancher aufzeigen und Dich zu verantwortungsvollem Handeln bestärken.

Durch ihre positive Einstellung und Motivation ist sie eine starke junge Frau geworden und hat ihre Hautfarbe so akzeptiert, wie sie ist. Sie ist an ihrer Vergangenheit gewachsen und die derzeitige BLM–Bewegung gibt ihr immer mehr Ansporn für ihren Weg im Leben, auf dieser von Hass, Verachtung und Ausgrenzung geprägten Welt zu kämpfen.

„Niemand hat das Recht, über andere zu urteilen!“, sagt sie zum Abschluss. „Jeder ist schön und toll, auf seine eigene Art und Weise, wir sind alle Menschen, egal wie wir aussehen, wir bluten alle am Ende gleich.“

Das alles, was Gold mir mitgeteilt hat, ist super wichtig, denn es gibt nur ganz wenige, die über ihre Erlebnisse berichten. Daher möchte ich, auch im Namen des ELCHs, Gold ganz besonders danken, denn ihre Erzählung und ihr Statement ist mir sehr wichtig und berührt mich in besonderer Art und Weise. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie mir viel von damals und auch heute berichtet hat, denn ohne dieses Interview wäre ein Artikel in dieser Form nicht möglich gewesen!

Ich möchte das Offensichtliche noch offensichtlicher machen: Wir alle kennen Gold, haben sie zumindest schon einmal gesehen oder etwas von ihr gehört. Was sie erzählt hat, ist also fast hautnah bei uns passiert. Das Erlebte kann selbstverständlich nicht rückgängig gemacht werden, aber wir haben alle gemeinsam die Möglichkeit, unsere Zukunft zu verändern. Also warum länger warten, anstatt zu handeln? Ihr habt die Möglichkeit was zu ändern, also nutzt diese Chance!!

Denkt in Zukunft einmal mehr drüber nach, wie sich euer Gegenüber aufgrund der von euch ausgegangenen Handlung fühlt – egal, wie die Person aussieht! Macht euch einfach mal Gedanken darüber, wie euer Verhalten bei anderen ankommt. Versucht, mit mehr Respekt und Freude durchs Leben zu gehen, ich kann euch aus eigener Erfahrung sagen: das Leben wird für alle Beteiligten deutlich besser werden.

Und denkt immer daran: Gemeinsam sind wir stark, gemeinsam können wir etwas erreichen und auch verändern, aber nur GEMEINSAM!! Das Ganze funktioniert nicht, wenn wir alle gegeneinander arbeiten, uns gegenseitig fertig machen und nicht achten, akzeptieren und respektieren.

Wir müssen lieben lernen, Selbstliebe und Nächstenliebe, das sind zwei kleine Wörter, aber sie sind von großer Bedeutung, denn nur so kann unsere Gesellschaft wirklich funktionieren. Probiert es mal aus, vielleicht merkt ihr ja für euch selbst, ganz persönlich, eine Veränderung.

Von Larissa

Quellen:

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3 Antworten auf “„Wir sind alle Menschen, egal wie wir aussehen!“”

  1. Heyyooooo

    Cooler Artikel!

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  2. heyyooo

    Guter Artikel!

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  3. Gold Ebhotemen

    Danke Larissa!

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