Tag 11: Herr Lany

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Das machen Schüler und Lehrer während der Quarantäne – Es unterrichtet Herr Lany von seiner schulfreien Zeit:

Morgens halb zehn in Deutschland. Langsam wird’s nun wirklich Zeit aufzustehen. Das meint zumindest der Hahn, den irgendeiner meiner Nachbarn scheinbar seit einigen Wochen mitten im Wohngebiet halten muss. Glücklicherweise ist es ja aber noch Frühling und noch lange nicht so warm, dass man mit offenem Fenster schlafen muss, sodass das Geschrei des Hahns für mich nicht mehr als ein sanftes Hintergrundgeräusch beim Aufwachen ist. Ein schöner Nebeneffekt des unerfreulichen Corona-Ausnahmezustands ist ganz eindeutig, dass ich mir seit Wochen keinen Wecker mehr stellen musste. Der Stundenplan, der sonst den Tag bestimmt, ist einem flexiblen Umgang mit der Zeit gewichen. Der Tag beginnt für mich daher deutlich später, geht aber auch deutlich länger.

Die Zeit, die ich normalerweise auf dem Schulweg auf der Autobahn verbringe, nutze ich jetzt erstmal für ein gesundes Frühstück. Danach folgt in der neuen Corona-Routine das tägliche Erstellen der Aufgaben, die ja trotz allem pünktlich hochgeladen sein wollen. Damit ist jetzt aber erstmal Schluss, schließlich haben die Osterferien gerade begonnen. Für uns Referendare gibt’s trotzdem genug zu tun, da Ende des Monats mündliche Prüfungen am Seminar anstehen. Die Zeit, die wir in den letzten drei Wochen mit dem Erstellen der Aufgaben verbracht haben, brauchen wir jetzt also dringend zum Lernen und so gehören die verbleibenden Stunden des Vormittags erstmal meinem Schreibtisch.

Doch trotz bevorstehender Prüfungen sind die Ferien natürlich immer auch zur Erholung da. Deshalb folgt unmittelbar nach dem Mittagessen auch ein mehrstündiger Spaziergang mit meinem Hund. Pepa ist‘s sowieso egal, ob ich Prüfungen habe oder nicht. Jetzt mit den frühsommerlichen Temperaturen und dem beständigen Sonnenschein der letzten Wochen hat sie auch endlich wieder Lust auf ausgiebige Runden. Der Nachmittag verfliegt daher auf verlassenen Wegen in Wäldern und ausgestorbenen Tälern. Schließlich hat die Corona-Zeit dafür gesorgt, dass ich mittlerweile ein Profi darin bin, schon per Fernerkundung über Google Maps Wege aufzuspüren auf denen man nicht damit rechnen muss, dass man jemandem begegnen wird. Dreckige Pfützen gibt es im Gegensatz zu Menschen jedoch auf dem heutigen Weg nur allzu viele und Pepa schafft es mit einer fantastischen Präzision keine einzige davon auszulassen. Beim Zurückkommen steht also erstmal eine Unterbodenwäsche beim Hund in der Dusche an. Danach habe ich wieder ein Date mit meinem Lernstoff auf meiner Terrasse. Lange halte ich das bei dem schönen Wetter aber nicht aus und beschließe schließlich, dass ich für heute genug gelernt habe. Deshalb schnappe ich mir nochmal den Hund und wir gehen noch eine Runde Joggen im Wald. Glücklicherweise ist Pepa heute richtig motiviert und joggt die ganze Runde brav mit – statt wie sonst oft einfach in der Mitte stehenzubleiben. Vielleicht liegt’s ja auch an dem schönen Sonnenuntergang, der die Waldwege in warmes Licht taucht (siehe Beitragsbild).

Nach dem Joggen liegt Pepa platt auf dem Sofa und ich stehe nach einer Dusche hungrig in der Küche. Ein Blick in den Kühlschrank verrät mir, dass ich noch massenhaft Tomaten habe. Zum Glück ist es den meisten Mitbürger*innen wohl wichtiger, sich mit Toilettenpapier einzudecken als mit frischen Lebensmitteln, sodass einer leckeren Bruschetta zum Abendessen nichts im Wege steht.

Danach wird es nun aber wirklich Zeit fürs Sofa und Netflix, schließlich ist endlich die neue Staffel Casa de Papel raus und ich bin die Tage noch nicht dazu gekommen sie anzufangen. Wie üblich haben sich die Serienmacher*innen auch bei der vierten Staffel wieder alle Mühe bei den Cliffhangern gegeben, sodass der Tag erst endet, als ich mit der neuen Staffel schon zur Hälfte durch bin.

Von Herr Lany

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