Tag 10: Herr Rehn

4.6
(27)

Das machen Schüler und Lehrer während der Quarantäne – Herr Rehn hat zusammengefasst, was er bis jetzt in der Coronakrise erlebte:

Also am Morgen spreche ich beim Frühstück wie immer mit meiner Frau über die Dinge des Alltags.

Gibt es etwas Neues? Können wir irgendwo unseren Nachbarn helfen?

Dann geht es nach einer kurzen Zeitungslektüre nicht ans SGH, sondern ins häusliche Arbeitszimmer.

Gut, da warten etliche Mails auf ihre Beantwortung und der Unterricht für die Woche muss vorbereitet werden und rechtzeitig an die Klassenlehrer versandt werden. – Die Kommunikation ist sehr gut und sehr freundlich, das tut gut. Etliche Mails sind gekommen, sowohl von den Abiturienten als auch von Lateinschülern verschiedener Klassen.

Also ran: Ich lese die Anhänge sorgfältig durch. Hmm – ein Schüler schreibt, dass er eine Aufgabe nicht verstanden hat. Darf ich hier nun einen Heul-Smiley machen und nach meiner Erklärung ein Happy-Smiley – oder besser nicht?

Könnte das verletzend wirken?  Ich lasse es lieber bleiben und antworte ganz korrekt.

Bei den Abituraufgaben kommen sehr gute Beiträge, die ich reflektierend durchgehe.

Der Vers von dem römischen Rhetoriklehrer Quintilian würde an einer Stelle als Ergänzung sehr gut passen:

Quis quid ubi quibus auxiliis cur quo modo quando???

Aber ein Schüler hat Französisch. Soll ich  ihm das  übersetzen. Ja, denn das wäre sonst eine Diskriminierung. – Also gut, aber ein Ausdruck  fehlt mir. Wo ist das Franz-Lexikon? Ah, da in der Ecke steht der gute alte Langenscheidt vom Abitur 1976. Prima – avec quoi – geklärt.

Dann gehe ich wieder zu den Latein Mails – Sehr gute Leistungen, aber ich darf ja wegen des Datenschutzes keine Benotungen im Internet veröffentlichen.
Was tun? Ich entscheide mich für: optime fecisti!
Datenräuber bekommen das fecisti sicher nicht raus, die können kein Latein.

Endlich ruft mich meine Frau zum Mittagessen und wir reden miteinander über die Coronakrise, wirtschaftliche Folgen, ethische Abwägungen und weitere aktuelle Dinge.

Nach der Mittagsruhe gehe ich in den Schönbuch. Der Kapellenbrunnen lockt mich. Die stille Zeit tut gut. Ich lese passend zu Ostern das Ende des Lukasevangeliums. – Es ist eiskalt, aber wunderschön.

Unterwegs treffe ich zwei ehemalige, SGH-ler.  Abiturjahrgang xy. Was  – die erkennen mich noch trotz Mütze und laufen auch nicht vorbei. Sehr schön. Wir unterhalten uns 1a mit 2 Meter Abstand, allerdings ziemlich laut, so dass wir dann freundlich das Gespräch beenden, bevor die Hirsche in Unruhe kommen.

Habe ich da eigentlich am Kapellenbrunnen Handyempfang? Diese Frage bewegt mich, also rufe ich einen Freund an, der den Empfang bestätigt und wir reden über aktuelle Dinge miteinander.

Zu Hause angekommen: Ein guter Kaffee wärmt mich wieder und dann gibt es u.a. von ungefähr 19 Uhr bis 20 Uhr vers. Telefonate: Kommunalpolitik, Terminverschiebungen, Kirchengemeindliche Dinge, Kirchenbezirk BB, kann die Mangoaktion sattfinden?
Arbeitskreis Altdorfer Heimatgeschichte, Termine u.a..

Dann kommen die Nachrichten. Im TV. – Wir essen nebenher etwas miteinander und ich lese vers. Zeitschriften, u.a. ein aktuelles Geschichtsmagazin:

Hannibal – der Schrecken Roms, ja, das ist was für den Unterricht.

Das ev. Gemeindeblatt informiert mich über die aktuelle Situation in unserer Landeskirche.

Im TV kommt nichts, was mich weiter interessiert, und so gehe ich wieder ins Arbeitszimmer und zu den Mails. Ach ja, der Stornierungsantrag  zur Erstattung der Kosten an das Reisebüro wegen des ausgefallenen Ausfluges nach Tübingen steht noch zur Bearbeitung an. Herr Schimmer hat uns das Formular geschickt. Also ran. Die Rechnung habe ich ja bekommen. So wird das auch noch erledigt.

Da ist noch eine 1a Mail von einem Abiturienten. Soll ich die jetzt noch beantworten, oder ist das komisch? Naja, vielleicht ist der Schüler Frühaufsteher und ist entzückt über die Abiturnahrung zum Frühstück.

Mit dieser Hoffnung und dem Abendgebet beende ich diesen „Coronatag.“

Von Herr Rehn

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One Reply to “Tag 10: Herr Rehn”

  1. Herr Rehn ist einfach so wholesome.
    Mann will ihn einfach in den Arm nehmen – mit zwei Metern Abstand natürlich !
    Bester Lehrer meiner Schulzeit 🙂

    Vale,
    ihr lieben Schüler,
    Euer Arnd Rehn Fanclub.

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