Studieren, Arbeiten und Feiern

4.9
(8)

Das Duale Studium als Start ins Leben

Studieren, Auslandsjahr oder doch ein freiwilliges soziales Jahr? Endlich hat man sein Abi. Jetzt hat man es geschafft. Nach 12 Jahren Schule ist es dann soweit: man verlässt die Schule, einen Ort, an dem man schon fast zu Hause war, für das letzte Mal. Aber nach der ersten Freude steht schon ein ganz neuer Berg vor einem. Denn was kommt jetzt? Für was entscheidet man sich nun?

Meine Cousine hat sich für ein Duales Studium entschieden. Ein Duales Studium, davon höre ich ja zum ersten Mal. Was ist das? Bei einem Dualem Studium studiert und arbeitet man im Wechsel. Der Vorteil ist, dass man dadurch während des Studiums Geld verdient und gleichzeitig Praxiserfahrung sammelt. Aber wie läuft das so genau ab? Ich dachte, um einen besseren Einblick zu bekommen, frage ich bei meiner Cousine mal ganz genau nach.

1. Was studierst du?

„Ich studiere Public Management, das ist die öffentliche Verwaltung für den gehobenen Dienst in einem Studiengang“

2. Wie kamst du auf die Idee, dual zu studieren?

„Mein Papa hat mich auf die Idee gebracht, der es von seiner Arbeit kennt und es cool fand, dass man während seines Studiums gleich Geld verdienen und Praxiserfahrung sammeln kann. Dann hat mir auch noch eine Freundin davon erzählt, die bereits Dual studierte. Was sie sagte, klang ziemlich interessant und abwechslungsreich. Deshalb habe ich mich dann letztlich für das Duale Studium entschieden. Wichtig zu wissen ist, dass man sich aber schon relativ früh also bereits in der Jahrgangsstufe 1 für ein Duales Studium bewerben muss, da man sonst wahrscheinlich keinen Platz mehr bekommt. Einem muss also früh klar sein was man studieren möchte.“

3.  Was ist der Unterschied zu einem normalen Studium?

„Also zu den positiven Unterschieden gehören die Chance dazu, Praxiserfahrung zu sammeln, dass du Geld verdienst und dass du eine gute Übernahmegarantie hast. Wenn du also während deines Studiums in einer Firma arbeitest, bietet diese dir meistens am Ende deines Studiums einen Vertrag an, sodass du nach dem Studium gleich weiter machen kannst. Ein Nachteil wiederum ist, dass du keine Semesterferien hast und daher nicht wie bei einem normalen Studium auch mal ein bis zwei Monate frei hast, sondern dass du nur die Möglichkeit hast, dir während der Praxisphase Urlaub zu nehmen und dann hast du halt nur 30 Urlaubstage wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Ein weiterer Unterschied vom Dualen Studium ist, dass du Klassen hast. Es gibt also keine großen Hörsäle, sondern du bist wirklich in deiner Klasse wie in der Schule auch. In der Hinsicht bist du im normalen Studium auch freier, da du dir deine Kurse selbst zusammenstückeln kannst und deinen Stundenplan sozusagen selbst erstellst. Im Dualen ist das alles bereits vorgegeben. Da kannst du auch keine Prüfungen schieben. Das heißt, im normalen Studium arbeitest du selbstständiger während man im Dualen Studium noch ein bisschen mehr an die Hand genommen und geführt wird.“

4.  Wie läuft dein Studium denn genau ab?

„Mein Studium hat mit einem 6 Monate langem Einführungspraktikum begonnen. Dafür musste man sich entweder beim Landratsamt, einer Stadt, einer Gemeinde oder einem Regierungspräsidium bewerben und dort das Praktikum machen. Ich habe meins damals bei der Stadt Sindelfingen gemacht. Man durchläuft dann verschiedene Stationen. Nach den 6 Monaten hatte ich erstmals Theorie, dafür gab es zwei Hochschulen – eine in Ludwigsburg und eine in Kehl. Die Zeit teilte sich in 3 Semester auf. Das erste war noch sehr entspannt. Man hatte viel Zeit, seine Mitstudenten kennenzulernen und ja, auch Studentenpartys zu schmeißen. Im 2. Semester wurde es dann anstrengender und die richtige Prüfungsphase begann. Zudem wurden mehr Rechts-und Wirtschaftsfächer abgefragt und im 3. waren es eigentlich nur noch Rechtsfächer. Im Anschluss startete dann meine Praxisphase bei einer Praktikumsstelle. Wichtig zu wissen ist, dass man sich beim Dualen Studium immer selber für seine Praktika bewerben und sich darum kümmern muss. Da bedeutet, während des Studiums schreibt man viele Bewerbungen und hat auch einige Vorstellungsgespräche. In der Praxisphase musste man vier Leistungsbereiche abdecken. Zum einen die Ordnungsverwaltung, die Leistungsverwaltung, die Kommunalpolitik und Finanzen oder Personal. Meine erste Praktikumsphase hatte ich in der Stadt Rottenburg am Neckar, wo ich den Bereich Ordnung und öffentliche Sicherheit vertieft. Was echt cool war. Ich war im Ordnungsamt tätig. Meinen 2. Abschnitt hatte ich im Landratsamt Esslingen. Dort war ich im Personal tätig und im 3. hatte ich dann ein Auslandssemester. Das ist auch eine Besonderheit, man braucht nämlich entweder ein Auslandssemester oder ein Praktikum in der Privatwirtschaft (z.B. bei Daimler). Ich hab mich wie gesagt für das Auslandssemester entschieden und war dafür in der Stadt Wien. Tätig war ich dann dort im Bereich fachliche und rechtliche Qualitätssicherung und der Wiener Mindestsicherung. Das Semester war wirklich besonders schön und ich würde jedem ein Auslandssemester empfehlen. Im Moment mache ich mein letztes Praktikum in der Gemeinde Steinbronn im Hauptamt. Diese ganze Praktikumsphase dauert dann 14 Monate und dann bekommen wir einen Monat frei, in dem wir unseren Bachelor schreiben müssen. Zum Schluss geht es dann nochmal für ein Vertiefungssemester an die Hochschule.“

5. Wie viel verdienst du während deinem Studium?

„Ich weiß es nicht ganz genau, aber um die 1264€.“

6. Hilft dir dieses Studium bei deiner späteren Berufswahl?

„Ja, da das ganze so praxisnah verläuft und man so viele Einblicke in die verschiedenen Bereiche erlangt, auf jeden Fall. Außerdem wird einem wie bereits gesagt oft schon ein Job angeboten.“

7. Was magst du lieber, den theoretischen Teil oder den praktischen?

„Es gibt so Vor-und Nachteile. Der praktische Teil ist cool, weil man richtig Feierabend hat. Nach deiner Arbeit musst du nichts mehr machen. Außerdem ist die Arbeit spannend und du erlebst viel. Aber eine 41 Stunden Woche ist auch einfach lang und du musst dich erstmal daran gewöhnen. Die Theoriephase hat den Vorteil, dass du viel Zeit mit deinen Mitstudenten verbringen kannst und wenn keine Prüfungsphase ist, hat man auch genug Zeit, sich zu treffen und auszugehen. Wir hatten zudem auch echt gute Professoren, bei denen der Unterricht meistens Spaß gemacht hat. Aber wenn Prüfungsphase ist, würde ich die Praxisphase immer vorziehen.“

8. Schränkt Corona dein Studium im Moment ein?

„Da ich in der Praxisphase bin, nicht. Ich muss weiterhin arbeiten. Ich weiß von einigen, die gerade Home-Office machen. Und bei denen, die Theorie haben, werden halt Online Vorlesungen gegeben. Die Prüfungen werden trotzdem an den Hochschulen geschrieben. Deswegen hat Corona unser Studium schon verändert, aber es geht trotzdem vorwärts.“

9. Würdest du das Duale Studium weiter empfehlen?

„Ich bin sehr glücklich mit meiner Wahl und würde es schon weiter empfehlen“

10. Mit wie vielen anderen studierst du?

„In einer Klasse sind wir zwischen 20 und 25 Leuten. Es ist also wirklich sehr überschaubar.“

Jetzt habe ich schon ein viel besseres Bild vom Dualen Studium und es klingt wirklich cool. Ich denke, das ist eine weitere Möglichkeit, die ich mir vormerken sollte. Vielleicht ist es ja auch was für euch. Danke auf jeden Fall für das tolle und ausführliche Interview!

Von Lina

Bewerte diesen Artikel!

durchschnittliche Bewertung: 4.9 | Anzahl der Bewertungen: 8

Bisher keine Stimmen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

0 Antworten auf “Studieren, Arbeiten und Feiern”

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.