Mein erstes Mal…

4.5
(13)
… In Italien! – Was denkt ihr denn!?

Italiener essen fast täglich Pizza und Pasta, sind kleiner als gedacht, fahren wie die Verrückten (man weiß nie, ob man lebend ankommt!) und sind oft sehr laut. Ich empfehle deshalb dringend, die Sicherheitsgurte zu verwenden, sofern diese noch im Auto vorhanden sind.

ABER: Italiener sind sehr offene und sympathische Menschen. Deshalb habe ich viele neue Freunde kennen gelernt. Man sollte nur keine Pizza Hawaii (wie ich) bestellen. Das kränkt ihre Ehre, aus welchen Gründen auch immer…

In 5 Wochen habe ich ungefähr 25 verschiedene Arten kennengelernt, mit was man Nudeln essen kann, wie das beliebte Kartenspiel Briscola funktioniert und dass das italienische liceo (Gymnasium) in Sachen Heiß-, Kaltgetränken und sonstigen Automaten deutlich fortgeschrittener ist als wir. Den Pausengrüntee vermisse ich bis heute.

Aber jetzt nochmal von Anfang an:
5 SchülerInnen
supernette Gastfamilien
jeden Tag Pizza
mehr als 30 Eiskugeln – also Portionen vom Spachtel
Hirsche!!!
Gondeln

Die Anreise

Bis auf ,,kleinere Probleme’’ beim Kofferverladen im Zug verlief die 10-stündige
Hinfahrt relativ entspannt. Nach dem Austausch nach Bizanos (in Frankreich, an der Grenze zu Spanien) dachte ich, es gibt keine engeren Züge als den TGV – falsch gedacht. Auch wenn die DB sehr oft Verspätung hat, können wir ganz dankbar über die Breite der DB-Züge sein. Wir fuhren also mit einem österreichischen slim-line-Zug über München. Am Brenner-Pass gab es einen kurzen Stopp und so konnten wir das erste Schneegestöber für diese Saison erleben. Gegen Nachmittag erlebten wir daraufhin quasi einen Hitzeschock in Verona. Wir starteten gleich mit einem Besuch in der Pizzeria und einer Sightseeing-Tour.

Apropos Verona: Wer noch nicht in Verona war, muss dies unbedingt nachholen.

In Verona gibt es viel Historisches zu sehen: ein altes Schloss, eine wunderschöne Aussichtsplattform, ein altes Theater, eine Arena (also ein antikes Fußballstadion ohne Fußball und grünem Rasen), tolle und teure Läden zum Shoppen und viel mehr. Was mich am meisten beeindruckt hat, sind die sauberen Steinböden, die sich durch das ganze Zentrum ziehen.

Und: wer was auf sich hält, hängt sein vor Ort graviertes „Liebesschloss“ an die Eisentore des Hauses (Palastes?) von Giulia (Ja, die aus „Romeo und Julia“!) und kritzelt dort die Wand mit blöden Sprüchen voll (niemand regt sich darüber auf, vermutlich konserviert die Edding-Farbe dort die Mauersteine…)

Verona liegt ziemlich zentral: Eine Stunde Hinfahrt bis zum Schwimmen im Gardasee, Gondeln fahren in Venedig oder Wandern in den Bergen und Mailand genießen.

Top 5: Songs für Urlaubsfeeling wie in Italien:

– senza pensieri – Fabio Rovazzi

– dove e quando – Benji & Fede

– una volta ancora – Fred de Palma

– soldi Mahmood

– barrio – Mahmood

Schule oder Scuola -klingt schon viel angenehmer

Im Liceo Copernico, einem sprachlichen Gymnasium.

Der erste Aufreger waren eindeutig die Toiletten. Wie soll man als Normalsterblicher dort sein Geschäft verrichten?! Im STEHEN!?! Sind wir nicht in einer Zeit mit sehr guten Sanitäranlagen, siehe Japan???

Im Vergleich zu unserer Schule dauern die Schulstunden jeweils eine ganze Stunde. Wie kann man sich so lang konzentrieren? Für uns Deutsche war das fast unmöglich. Was noch viel schlimmer ist, sind die fehlenden Pausen. Von 8 bis um 11 Uhr gibt es keine einzige Pause. Dann – endlich der erlösende Gong für die 15-Minutenpause. Statt einem schnöden Bäckerstand mit trocken Brot gibt es jeden Tag frisch gelieferte Pizzen. Wenn das nicht ein Luxus ist. Weil wir des Öfteren zu wenig Vesper mitbekamen, wurden wir zu Stammkunden beim Pizza- und Sandwich-Stand. Der Unterricht besteht zu 150% aus Frontalunterricht. Um ehrlich zu sein, schätze ich im Vergleich zu Italien unser Schulsystem sehr und die Art und Weise, wie unsere Lehrer unterrichten. Aber die Lehrer waren supernett und waren immer wieder von der Sportlichkeit, Reife und Größe der Deutschen überrascht.

Was bringt dir ein Austausch?
Neun Gründe für einen Austausch! – Nove ragioni per uno scambio!

  1. Du lernst eine neue Kultur, ein neues Land, ein neues Familienleben und ein neues Schulsystem kennen
  2. Du wirst offener und selbstständiger
  3. Du findest neue Freunde und daraus bilden sich oft langfristige Freundschaften
  4. Wenn du wieder daheim bist, schätzt du das allermeiste mehr als vorher
    (Prima für Meckerliesen!!!)
  5. Du hast eine unvergesslich wunderschöne Zeit
  6. Du sprichst danach flüssiger, spontaner und mehr (ohne Gewähr!)
  7. Einfacheres Vokabeln lernen
  8. Absolut schlimmes Fernweh
  9. Du kannst deine Alltagsprobleme mal eine ganze Zeit hinter dir lassen

Kulinarische Unterschiede

In Italien gab es mittags zwei warme Gerichte, gefolgt von Obst. Abends wiederholte sich das Ganze. Zu den Mahlzeiten gab es immer Brot und sehr viel Käse und Schinken.

Erlebtes

Wir haben viele Dinge gesehen. Zum Beispiel Mailand, Venedig, das „Gardaland“ (Erlebnispark) und den Gardasee. Wir übernachteten einmal alle zusammen in den Bergen, umgeben von vielen Rehen und Hirschen. Ein Elch war leider nicht dabei… Besonders empfehlenswert sind die Musicals in der Arena in Verona. Allerdings sitzt man während der Vorstellung auf Steintreppen ohne Rückenlehne, original wie die alten Römer- das war der einzige Nachteil an der ganzen Geschichte…

Das waren alles extrem schöne Erfahrungen, aber was ich fast noch viel schöner fand, waren die kleinen Momente: Im italienischen Chor zum Beispiel die Lieder mitsingen und gemeinsam sich mit den Italienern über die eine immer schlecht gelaunte Lehrerin aufregen.

Besonders schön fand ich Kartenspielen mit meiner Austauschpartnerin Giulia und ihren Freunden. Währenddessen hörten wir Queen – ein Wunder, dass auch sie absolute Fans von Freddie Mercury waren.

Ab und zu bin ich allein in den Sportunterricht in andere Klassen gegangen. Deshalb habe ich noch mehr Freunde kennengelernt mit denen ich auch noch Kontakt habe. Tipp: Wenn du in der Gruppe einen Austausch machst, dann rede nicht nur mit deinen „deutschen“ Freunden auf Deutsch, sondern trau dich auch allein mit deinem Austauschpartner und der Familie zu reden – deutsch und italienisch! Das bringt dir unglaublich viel und deine deutschen Freunde gehen dir nicht verloren. Sie fahren wieder mit dir zurück – Zeit zum Dauerquasseln!

Von Pauline

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