Aus dem Gefängnis an unsere Schule

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Er hat als Drogenkurier gearbeitet und zehn Jahre in Gefängnis gesessen. Darüber berichtet Maximilian Pollux aus erster Hand bei uns am Schönbuch Gymnasium.

Es ist ein ganz normaler Donnerstag in der 9d. Dort wird schon früh am Morgen aufgeregt getuschelt, denn gleich soll ein Gast kommen. Aber wer ist das?

Er ist kein Polizist, er ist kein Sozialpädagoge und er ist kein Lehrer. Wieso ist er dann an unserer Schule? Da öffnet sich die Tür, ein großer Mann betritt den Raum und stellt sich als Maximilian Pollux vor. Er sagt, dass er fast 10 Jahre im Gefängnis verbracht hatte. So still, wie an diesem Tag, war es noch nie in unserer Klasse, mit seinem Vortrag fesselte Maximilian jeden einzelnen. Er sprach die Schüler immer wieder direkt an und man hatte das Gefühl, dass er mit den Schülern auf Augenhöhe ist und sie versteht.

Maximilian wollte immer ein Rebell sein und seine eigenen Regeln haben, deshalb hat er sich am Anfang über rechtliche Grenzen hinweggesetzt. Natürlich hatte er auch ein Vorbild, das war sein Onkel. Für ihn hatte er auch das erste Mal als Drogenkurier gearbeitet. Aber dabei sollte es nicht bleiben, er wollte wie sein Onkel werden. Seine Mutter bekam langsam mit, was ihr Sohn trieb und drohte ihm mit dem Rauswurf, also verließ er freiwillig sein Zuhause. Irgendwann wurde er wegen der Drogengeschichte gesucht. Also verließ er das Land und war 2½ Jahre auf der Flucht. Er floh über Tschechien nach Spanien und dann in die Niederlande und wurde dort dann auch inhaftiert. Maximilian redet ganz offen über diese Zeit, über seine Gefühle und Gedanken. Auf der Flucht hat er über 15 kg abgenommen. Doch das Schlimmste ist für ihn, dass seine Familie wegen ihm leiden musste. Während nach ihm gefahndet wurde, stürmte das SEK sein früheres Zuhause. Sein kleiner Bruder ist noch bis heute traumatisiert von diesem Erlebnis. Das kann sich Maximilian Pollux nie verzeihen.

Im zweiten Teil seines Vortrags geht er auf die Zeit im Gefängnis ein. Auch hier bezieht er die Schüler mit ein und erzählt die unverblümte Wahrheit des Gefängnisses, zudem bringt er ein Teil der Kleidung mit, die er dort fast 10 Jahre – Tag ein Tag aus – trug. Die Zeit dort hat ihn traumatisiert und es gab sehr viele, die, während er in Haft war, im Gefängnis Suizid begangen haben. Maximilian wusste, dass er nicht ewig auf der Flucht bleiben kann und hat sich deshalb schon auf das Gefängnis eingestellt, aber er sagt, wenn er es nicht erwartet hätte, hätte das Gefängnis ihn völlig zerstört.

Im letzten Teil seines Vortrags ging er auf das Thema Drogen ein, obwohl er sie verkauft hat, war er selbst nie abhängig davon. Er hat erzählt das er „nur“ Marihuana geraucht hat, was er aber sehr bereut. Denn das Kiffen hat alle seine positiven Erinnerungen gelöscht, es blieben nur die negativen. Doch er hat uns nicht nur gewarnt vor Drogen, weil sie uns schaden. Die Drogen kommen aus den ärmsten Ländern der Welt, in denen Drogendealer auf Kosten von anderen, Geld verdienen. Wer Drogen kauft oder verkauft unterstützt die Armut in diesen Ländern. Maximilian wollte immer ein guter Drogendealer sein, aber so etwas gibt es nicht! Zum Schluss hat er noch über Schuld gesprochen und damit die Rechtfertigung „Wenn ich es nicht gemacht hätte dann hätte es jemand anderes gemacht“ aus der Welt geschafft, denn wenn du es machst bist du schuld! Der ganze Vortrag regt die Schüler zum Nachdenken an und prägt sich bei ihnen ein. Es hinterließ nicht nur Spuren in ihrem Gehirn, sondern auch in ihrem Herzen.

Maximilians Geschichte werden sie nicht so schnell vergessen!

Von Lina

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One Reply to “Aus dem Gefängnis an unsere Schule”

  1. Ursula Baisch-Enchelmaier

    Liebe Lina,

    vielen Dank für Deine treffende Reportage!

    Schön,dass durch das Lesen eines Artikels in der Ludwigsburger Kreiszeitung so ein Projekt an unserem SGH entstanden ist.:)

    Beste Grüße an das ELCH Team! Weiter so!

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