Holzgerlingens Bürgermeister privat!

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Ein Interview mit Herr Delakos:

1. Wie ist es, Bürgermeister von Holzgerlingen zu sein?

Es ist ein wirklich sehr schöner Job, aber gleichzeitig auch sehr herausfordernd. Als Bürgermeister hat man verschiedene Hüte auf, zum einen ist man Chef der Verwaltung (für Holzgerlingen bedeutet das, man ist Chef von 360 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen) und zum anderen ist man auch politischer Beamter. Das bedeutet, man ist gewählt von den Bürger*innen und sollte deren Bedürfnisse abdecken. Als Bürgermeister trägt man also zwei ganz wichtige Aufgaben: Man kümmert sich darum, dass die Beschlüsse des Gemeinderats umgesetzt werden und gleichzeitig ist man als Mitglied des Gemeinderats zuständig dafür, zu entscheiden, wie die Kommunalpolitik aussehen soll. Zudem gibt es noch all die Bürger*innen, die auch ihre Vorstellung haben, wie sich Holzgerlingen entwickeln soll und die kommen auch auf den Bürgermeister zu. Ich bin jemand, der sehr offen ist und sehr gerne in Kontakt mit den Bürgern kommt, das auch sehr oft ist und das bedeutet, dass auch sehr viel auf mich einströmt. Dabei ist natürlich auch nicht nur Positives, weil viele wissen, was alles noch nicht ganz funktioniert bei uns und dies wird mir auch gerne mitgeteilt. Oft mit dem Anspruch, dass sich das dann auf morgen ändert, was natürlich nicht geht.

2. Was waren Ihre ersten Gedanken, als klar war, dass Sie zum Bürgermeister gewählt wurden?

Ich habe mich natürlich sehr gefreut. Dass ich gewählt wurde, und vor allem auch, dass das Ergebnis so gut war, mit dem ich gewählt wurde. Auf der anderen Seite war mir durchaus bewusst, welche Verantwortung ich dann tragen werde – nämlich die für knapp 14 000 Menschen. Und wenn man darüber nachdenkt, kann auch der Gedanke kommen mit der Frage, ob das jetzt die richtige Entscheidung war. Aber ich kann feststellen, das war schon die richtige Entscheidung. Denn es macht riesig Spaß, auch wenn es wirklich ungemein anstrengend ist.

3. Was haben Sie gemacht, bevor Sie Bürgermeister wurden und wie kamen Sie darauf, sich auf diese Stelle zu bewerben?

Ich war ja bereits 4 Jahre als Kämmerer und 1. Beigeordneter in Holzgerlingen. Und zur Stelle als Bürgermeister bin ich gekommen, weil ich mich letztendlich entscheiden musste: Übernimmst du selber Verantwortung und machst den Job, an dem du all die Jahre sehr nah dran warst oder lasse ich jemanden anderen ran mit der Gefahr, dass es mir nicht ganz gefällt, wie der- oder diejenige es dann macht? Und ich mich als Stellvertreter anpasse und den Kurs mitgehe? Dadurch war es relativ einfach für mich, mich dafür zu entscheiden.

4. Welche sind Ihre Ziele für unsere Stadt im kommenden Jahr?

Zunächst einmal wünsche ich mir, dass 2021 wieder weitestgehend normal verläuft. Besonders nach diesem Jahr, das wirklich schwierig war. Deshalb werde ich all das, was ich mir für dieses Jahr für unsere Stadt vorgenommen habe und leider nicht durchführen konnte, hoffentlich im nächsten Jahr umsetzen können. Dabei sind viele sehr wichtige Themen wie die Weiterentwicklung unserer Schulen, das Mobilitätskonzept für Holzgerlingen und ein weiters Pflegeheim, das gebaut werden soll. Aber ganz entscheidend wird sein: was kann sich die Stadt noch leisten? Denn wenn man die Finanzen betrachtet, zeichnet sich ab, dass es schlechter wird. Aber nicht nur bei uns, sondern bei allen Kommunen. Deshalb muss man schauen: was können wir und was wollen wir tun?

5. Gibt es auch persönliche Wünsche und Ziele ihrerseits für das kommende Jahr?

Gesund bleiben. Dass ich mich mit meiner Familie weiterhin so gut verstehe und dass wir auch immer wieder mal Zeit für uns haben oder ich Zeit für mich, um zur Ruhe zu kommen und auch mal Dinge zu tun, die mir Spaß machen.

6. Haben Sie vor, Holzgerlingen zu erweitern?

Nein, ich bin der Meinung, dass es jetzt genug ist. Das wir Dörnach West, was ja schon alles beschlossen war, anständig aufsiedeln, ist richtig und dann geht es mir darum, dass wir die Menschen, die in den letzten Jahren nach Holzgerlingen gekommen sind, zusammenbringen und unsere Gemeinschaft mehr stärken. Was man ja auch an den ganzen Projekten sehen kann, die wir in den Letzten ein bis zwei Jahren angestoßen haben. Besonders bei dem Thema Beteiligung. Dieses Thema möchte ich auch im nächsten Jahr weiter ausbauen. Ich denke, gewachsen sind wir genug in den letzten Jahrzehnten, jetzt geht es darum, die Gemeinschaft zu stärken.

7. Wie kam es dazu, dass wir die Arbeitshefte dieses Jahr alle umsonst bekommen haben?

Die Lernmittelfreiheit gibt’s ja schon lange. An unseren Schulen haben sich allerdings die Eltern darauf geeinigt, dass sie das Geld für einige Dinge selbst übernehmen, einfach um an dieser Stelle auch zu unterstützen. Ich bin angetreten mit dem Gedanken, die Lernmittelfreiheit eins zu eins umzusetzen; ich möchte aber schauen, wie wir das Umsetzen können, sodass es nicht nur zusätzlich ausgegebenes Geld ist, sondern auch nochmal hinterfragen: Für was geben wir alles Geld aus und muss das unbedingt noch sein? Mir war wichtig, dass wir das Durchsetzen, damit jede*r die Möglichkeit hat und sich nicht bei sich selber beschränken muss, um Schulhefte zu kaufen.

8. Wie war es für die Stadt, mit der Coronasituation umzugehen und die neuen Vorschriften umzusetzen?

Ich denke, Corona ist die größte Herausforderung, die es je für unsere Verwaltung gab. Da wir nicht wussten, mit was haben wir es denn hier zu tun. Das ist so dynamisch auf uns hereingeprasselt und eine Verordnung hat die nächste gejagt. Es musste so viel organisiert werden, was sehr herausfordernd und anstrengend war. Zumal es für diese Situation auch kein Handbuch gab, wo man nachschlagen hätte können. Es war auch für mich als junger und neuer Bürgermeister noch schwieriger. Auf der einen Seite hatte man die Sorge um die eigene Familie, aber auch die Sorge um die Mitarbeiter und deren Familien und natürlich um alle Holzgerlinger*innen. Da haben wir glücklicherweise sehr schnell und sehr gut reagiert, indem wir offen informiert haben und sehr schnell Hilfestellungen gegeben haben. Die größte Hürde war, dass die neuen Verordnungen meistens Freitagnacht so gegen 23 Uhr geschickt wurden und dann gleich für Samstag galten. Ich bin an der Stelle sehr dankbar an mein ganzes Team, meinen Krisenstab, der supergut gearbeitet hat!

9. Welches war ihr schönstes Erlebnis als Bürgermeister?

Oh, da gibt es ganz viele Erlebnisse, die schön waren. Da kann ich jetzt gar nicht ein Einzelnes rausgreifen. Zum Beispiel der Kinderpolitiktag hat mir ganz gut gefallen, genauso wie die Einwohnerversammlung. Es gibt kein spezielles Ereignis, aber mir macht es immer Freude, wenn ich sehe, dass ich Menschen bei einem Anliegen helfen konnte, welches sie hatten und diese dann kommen und sich bedanken.

10. Was ist für sich das Wichtigste an ihrem Beruf?

Ich glaube, mit ‚dem Wichtigsten‘ kann man das gar nicht so beschreiben, aber wichtig für mich als Bürgermeister ist, dass ich ein gutes Team um mich herum habe, das ich Menschen um mich herum habe, denen ich Vertrauen kann, die loyal sind und die mich echt unterstützen in dem was ich tue. Wichtig ist auch, dass ich Rückmeldung bekomme; sei es von den Mitarbeitern oder auch von der Bevölkerung, um eben das Gespür dafür zu bekommen, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Daher ist mir auch ganz wichtig, dass die Menschen mir offen begegnen und mit mir sprechen.

11. Wie viel Zeit bleibt neben all Ihren Aufgaben denn noch für die Familie?

Naja, manchmal mehr, manchmal weniger. Oftmals allerdings weniger als mir lieb ist. In der Tat ist es so, dass der zeitliche Aufwand sehr hoch ist. Oftmals sind auch die Wochenenden stark belegt. Jetzt während Corona nicht, da sieht mein Terminkalender eher leer aus, obwohl der Druck enorm war. Ich denke insgesamt hätte meine Familie mehr Zeit verdient, deshalb gibt es auch seltene Tage, an denen ich mir frei nehme und zum Beispiel einen Vormittag zu Hause verbringe.

12. Welcher ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz in Holzgerlingen?

Da gibt es so viele Plätze, die ich liebe, wie die Schillerhöhe, das Kreuz auf Hülben, unsere Obstbaumwiesen. Aber mein persönlicher Lieblingsplatz ist natürlich mein Zuhause in der Aichtalstraße, am besten vor meinem Grill.

Vielen Dank für das Interview!

von Lina Geisler

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2 Antworten auf “Holzgerlingens Bürgermeister privat!”

  1. Tanja

    Super, daß ihr Herrn Delakos für ein Interview gewinnen konntet!
    Du hast spannende Fragen aus allen Bereichen gestellt und ausführliche Antworten bekommen. Gratuliere!

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  2. xxx

    Sehr interessant!

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