Gewinnen wieder mehr alltägliche Dinge an Bedeutung?

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Ich sitze gerade draußen auf dem Balkon und lese für Deutsch Emilia Galotti. Da sehe ich die erste Biene für dieses Jahr, die sich nun auf mein Buch setzt. Ständig sehe ich Paare, die einen Spaziergang machen, viele Jogger und Radfahrer. Und ich kann auch Kinder sehen, die mit ihren Eltern ein Wettrennen im Park machen und Mütter, die mit ihren Kindern eine Radtour machen. Gerade schreit mein kleiner Nachbar Maximilian hoch: „Hallo Pauline!“ Auch er spielt mit seinem kleinen Bruder im Garten. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber die Welt scheint doch ein kleines Stück friedlicher zu sein? Alle gehen raus in die Natur, versuchen möglichst viel Sonne abzubekommen, was ich auch nur empfehlen kann, da es den Körper resistenter gegenüber Viren macht. Familien machen endlich wieder etwas gemeinsam, spielen zusammen Spiele und eventuell vertragen sich auch Geschwister wieder. Vielleicht sind die Menschen entspannter und haben endlich Zeit für die Dinge, die im stressigen Alltag keinen Platz finden. Sich beispielsweise in die Sonne setzen und ein Buch lesen scheint für mich normalerweise fast unmöglich. Vielleicht gehen Menschen wieder ihren Hobbys nach und manch einer kramt alte Fotobücher raus und erzählt alte Geschichten. Bei vielen findet aber auch der Frühlingsputz statt. Von Freunden erfahre ich, dass eine Nachbarin ihre Türen öffnete, um für die Nachbarn Klavier zu spielen. Das Stuttgarter Staatsballett stellte Dornröschen bis Ende März online. Alle versuchen die Quarantäne so schön wie möglich zu gestalten.

Ein harmonischer Frühling, den es doch eigentlich nur im Bilderbuch gibt…

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Streit. Man kann sich in den eigenen vier Wänden nicht gut aus dem Weg gehen. Viele haben auch Angst um ihren Arbeitsplatz. Einige sind bereits schon gefeuert und wissen nicht, wie sie die nächsten Monate überstehen sollen.

Ärzte und Krankenschwestern machen Überstunden zusätzlich zu den Überstunden, die sie eh schon machen müssen! Und dafür sollen sie laut den Politikern 500€ mehr im Monat als Belohnung bekommen. Sie setzten täglich ihr Leben für andere aufs Spiel und dafür nur 500€??? Ist das fair?!

Dank den Hamsterkäufern ist auch Klopapier sehr knapp. Am Mittwoch versuchte ich mein Glück beim DM. Dafür stand ich um 7:50 Uhr vor dem noch geschlossenen DM, weil auch unser Vorrat zuneige ging. Schon um diese Uhrzeit standen gut 15 Personen vor mir, die genau dasselbe wie ich benötigten. Für die Sicherheit alle mit zwei Metern Abstand. Ein komischer Anblick. Eine Mutter hinter mir lachte: „Nie hätte ich gedacht, dass ich mal für Klopapier Schlange stehe.“ Auch eine ältere Dame neben mir verstand die Welt nicht mehr. Ihr ging es ähnlich, wie mir.

Auch in den Supermärkten arbeiten die Verkäufer im Akkord. Alte Menschen sind allein, da die Kinder sie nicht besuchen können und haben riesige Angst, krank zu werden.

An alle da draußen, die sich aufregen, dass sie ihre Freunde nur über Skype und Houseparty sehen können: Anderen geht es schlechter, anderen fehlt vielleicht Geld, vielleicht aber auch nur eine Person zum Reden.

Seid doch dankbar, dass ihr in diesem Moment die Zeit habt, das hier zu lesen. Ruft doch mal eure Verwandten an und fragt eure Nachbarn, ob ihr für sie die Einkäufe erledigen könnt, oder lasst euch aus ihrem Leben erzählen. Verkriecht euch die nächsten Wochen nicht nur in euer Bett und schaut Netflix, sondern seht diese Zeit vielmehr als Chance, um mal andere Dinge zu machen, die sonst untergehen. Versucht doch mal über den Tellerrand hinaus zu blicken, denn die Krise können wir nur gemeinsam überstehen. Es kommt nicht darauf an, dass die eine Familie Klopapier hortet und die andere die Kündigungspapiere dafür verwendet. Jeder Einzelne zählt, also achtet auf einander!

Aber eine Sache vergesst bitte nicht: Das Wichtigste ist momentan aber auch, möglichst wenige physische Kontakte zu haben. Damit helft ihr allen am Meisten!

Von Pauline

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