Lernfilme drehen, Videokonferenzen abhalten und noch vieles mehr

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Schüler und Lehrer während der Quarantäne – Herr Wespel teilt seinen Mittwoch mit:

Das einzig Positive an der aktuellen Lage aufgrund des Coronavirus ist, dass mein Wecker nicht in der Früh klingelt. Heute kann ich es mir erlauben, auszuschlafen und werde um 9 Uhr wach. Noch bis spät in die Nacht hatte ich mich über den Sternschnuppenschwarm der Lyriden informiert, der am frühen Morgen zu sehen gewesen wäre. Vielleicht hätte ich mich in dieser sternenklaren Nacht doch aufraffen sollen?

So gehe ich übers Bad ins Arbeitszimmer und freue mich über eine Mail einer Siebtklässlerin, die eine Frage hat und mir rückmeldet, dass sie bisher mit den Aufgaben gut klargekommen ist. Für morgen muss ich keine Aufgaben für die Klassen 5-10 erstellen, weswegen ich mich auf meinen JS1-Mathe-Basiskurs konzentrieren kann. An der Wand links neben meinem Schreibtisch habe ich eine provisorische Tafel errichtet. Sie besteht aus einer großen festgeklebten Pappe, auf die ich DIN-A1-Plakate aus der Kunst anbringen und beschreiben kann. So habe ich meine JS1-Schüler/innen mit Lernfilmen versorgt, was anfangs sehr ungewohnt und aufregend war, vor allem wenn mir meine Frau Kathrin an der Kamera aufgrund der Thematik einen fragenden Blick zuwarf. Jetzt, nach den Osterferien, kann ich mit meinen JS1-Schüler/innen Videokonferenzen abhalten. Die erste hatte ich am Vorabend auf morgen früh angesetzt. Zwei Schülerinnen informieren mich über Terminüberschneidungen und nach zweimaligem Verschieben ist ein Nachmittags-Termin gefunden.

Jetzt frühstücke ich ausgiebig mit Kathrin, wie es im normalen Schulalltag sonst nur am Wochenende möglich ist. Wir erwarten in zwei Monaten unser erstes Baby und da gibt es viel zu besprechen. Weil wir uns nicht mit COVID-19 infizieren wollen, gehe ich immer einmal in der Woche zum Einkaufen. Also schreiben wir einen Essensplan für die nächsten 7 Tage und daraus einen Einkaufszettel für mich.

Da nächste Woche die Maskenpficht bei Einkäufen gilt, bin ich froh, dass Kathrin schon in den Osterferien Masken genäht hat, und setze eine auf. Ich fahre zuerst zum Baumarkt und in zwei Supermärkte und höre im Auto Musik aus meiner Jugend auf CD. Das Abstandhalten in den Märkten ist für mich immer noch ungewohnt, fällt mir bei wenig Menschen heute aber leicht. Zum Schluss gehe ich zum Bäcker hier in Tübingen, der Backwaren vom Vortag günstig verkauft, und komme dick bepackt wieder nach Hause.

Alltäglich ist auch unser Spaziergang zu zweit und ich bin bei dem schönen Wetter sehr froh, dass wir in Deutschland anders als anderswo nicht so arg in unserer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind. So können wir unsere gute Wohnlage und den Blick auf die Schwäbische Alb genießen. Auffällig ist derzeit, dass es keine Kondensstreifen am Himmel gibt.

Zuhause setze ich mich wieder an den PC, während Kathrin ein leckeres Abendessen für uns kocht. Ich kümmere mich um Aufgaben für die JS1, die sich jetzt Integralrechnung selbst beibringen muss. Nebenbei schaue ich auf meine Mails, wo Herr Schimmer uns zum aktuellen Stand zur Schulöffnung in 11 Tagen informiert und Herr Stollsteimer seine Präsentation zu Mathe in der Kursstufe für die 10er unserer Fachschaft zum Drüberschauen zukommen lässt. Auch habe ich außer den Zahlen vom Robert-Koch-Institut heute noch gar keine Nachrichten gelesen und schweife kurz mal ab, auf die Homepage der Tagesschau.

Dann ruft mich Kathrin und wir genießen das leckere Essen und die Zweisamkeit. Sie erzählt mir, dass die Stadt Tübingen in einer großen Initiative Masken in Briefumschlägen an alle Bürger/innen über 65 Jahren verteilen will und sie mithelfen will, ein kleines Bündel in unserer Nachbarschaft zu verteilen.

Ich erstelle das Integralrechnungs-Aufgabenblatt für meine JS1 fertig und versuche noch, mir so viel wie möglich zu Videokonferenzen anzueignen, damit ich bei unserer Videokonferenz morgen nicht ganz schlecht dastehe. Ein Chat mit Kolleg/innen hilft mir dabei, auch wenn wir in einer gemeinsamen Videokonferenz erst am Freitag Fragen mündlich klären werden.

Jetzt ist es halb 10 und ich habe leider keinen Einfluss mehr auf das abendliche Fernsehprogramm. Kathrin hat die Serie schon ausgewählt und ist mittendrin. Ich lege mich zu ihr auf die Couch und schaue mit.

Beim Lüften vor dem Schlafengehen schaue ich Richtung Westen zum Fenster raus und sehe den wunderschönen Sternenhimmel mit dem Wintersechseck und der alles überstrahlenden Venus, die der Erde gerade sehr nah ist, und gehe dann zufrieden schlafen.

Von Herr Wespel

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